Die Woche (49/2023)

Der Wochenrückblick: Im Grunde füllt sich dieser Blog ja von alleine. Mein Workflow ist meistens gleich: Morgens gegen 06:00 die Filmliste aus den Mediatheken runterladen und dann, im Laufe des Tages, die Einträge verarbeiten die sich lohnen. Wobei, natürlich, ist das, was sich „lohnt“ jeweils eine absolut persönliche und subjektive Entscheidung. Hier gibt es keine Demokratie. Hier bin nur ich mein eigener Programmdirektor.

Soweit, so luxuriös, eigentlich. Doch auf der anderen Seite, bin ich auch nur Konsument. Und ich kann nur mit dem arbeiten, was die öffentlich-rechtlichen Anstalten uns anbieten. Da schleicht sich dann durchaus auch mal ein Gefühl der Machtlosigkeit ein, wenn es denn so gar nichts gibt, worüber ich gerne geschrieben hätte. Im Verlauf der Woche hat sich das signifikant geändert… zum Glück!

Kida Khodr Ramadan

Am Montag war so ein Tag. Und so habe ich einen älteren Beitrag wieder nach vorne geholt, der es wirklich verdient hat. „In Berlin wächst kein Orangenbaum“ von und mit Kida Khodr Ramadan liegt mir einfach am Herzen, seit ich den Film vor knapp drei Jahren zum ersten Mal gesehen habe. In der ARD-Mediathek steht er ganz hinten, oder unten, je nachdem wie sie da browsen. Da bin ich dann auch Überzeugungstäter und ziehe das einfach nochmal in die Timeline. Wenn sie den Film noch nicht gesehen haben, bitte ich darum!

Musik

Nochmal ein Herzensding war die Vorankündigung des ZDF-Dokumentarfilms von Marita Stocker: „Rock Chicks – Wie Frauen den Rock’n’Roll erfanden“. Unter absolut gar keinen Umständen verpassen dürfen sie diesen Film, der am Donnerstag bei ARTE seine Premiere in der Mediathek erfahren hat. Ein wilder Ritt durch die Musikgeschichte. Und der Versuch einer historischen Wiedergutmachung an der vergessenen und/oder übersehenen Geschichte der Frauen, die diese erst möglich gemacht haben – und deren Bedeutung und Einfluss wir bis heute sträflich unterschätzen. Ich liebe sie alle. Zeitlos großartige Musik! Erzählen sie ihren Töchtern davon!

Frederick Lau

So wie bei Ramadan am Montag, habe ich auch am Dienstag wieder nach hinten in das Mediathekregal gegriffen. Dass es sich bei den beiden um BFFs handelt, hat dabei aber mal gar keine Rolle gespielt. Und im Vergleich zum Berliner-Moloch ist „Gutland“, die luxemburgische Provinz, geradezu die Antithese. Ein Thriller, ein Filmdebut zumal, das gleich soviel besser ist, als 9,5 von 10 Ausgaben unserer ARD Vorzeigeserie „Tatort“, da wünsch ich mir doch sehr, die Damen und Herren die es angeht, würden sich ein Beispiel nehmen, etwas lernen, und ganz grundsätzlich, mehr riskieren und dem Nachwuchs häufiger eine Chance geben.

Künstliche Intelligenz I.

Vom „Fluter“, dem Magazin der Bundeszentrale für politische Bildung habe ich einen Beitrag unter Creative-Commons-Lizenz übernommen: „Alexa, Siri und das Navi meiner Eltern“. Haben sie denn schonmal drüber nachgedacht: „Sprachassistenten klingen fast immer weiblich. Warum eigentlich? Und wie wirkt sich das auf unsere Rollenverständnisse aus?“

Das wollten sie wahrscheinlich nie wissen

Ganz ehrlich, für die Geschichte, welche dieser große Film erzählt, wurde er nicht annähernd von genug Menschen gesehen. Heute steht er nur noch für zwei Tage in der ARTE Mediathek! Wobei er tatsächlich nicht unbemerkt blieb, als er 2019 in die Kino gekommen ist. Doch regt es uns heute kaum noch genug auf, angesichts der noch viel größeren Probleme Klimawandel und Krieg.

Ich hatte ein interessantes Gespräch mit einem Freund, gerade diese Woche. Da ging es um die Frage, ob es moralisch vertretbar sei, etwa Aktien von Amazon oder Microsoft zu kaufen. Meine Meinung war, ja! Das ist es. Aber nur wenn diese Unternehmen politisch eingehegt und demokratisch kontrolliert werden können. Denn solche Unternehmen „ficken die Gesellschaft“, wenn wir das nicht verhindern. Bei Chemieunternehmen wie Bayer-Monsanto (oder DuPont, wie im Film) ist das etwas anderes. Denn die „ficken den Planeten“ und zwar so, dass kein Mensch und keine Politik das mehr reparieren kann.

Und genau um diese „Vergiftete Wahrheit“ dreht sich der Film mit Mark Ruffalo.

Streik, Hoffnung, Glaube

Eine kleine Meditation über den Warnstreik der GDL Lokführer:innen… Ihr Glaube wird belohnt, singt Bruce Springsteen – in „Land of Hope and Dreams“ – einem der schönsten Songs seiner großen und 50 Jahre langen Karriere überhaupt. Ehrlich! Ich habe das etwa 20 Mal live erlebt… zu Tränen gerührt war ich bei diesem Lied noch jedes Mal.

Künstliche Intelligenz II.

Auch am Donnerstag wieder ein „Rückgriff“ in die ARD-Mediathek. Da wusste ich noch nicht, dass Sandra Hüller bei den Europäischen Filmawards in den Superstar-Status erhoben werden würde. Verdient hat sie es sehr. Auch wenn ihre kleine schräge Nebenrolle in diesem Film von Maria Schrader vielleicht nicht ultimativ dafür verantwortlich gewesen sein mag. „Ich bin dein Mensch“ ist ein Film, der sich eigentlich ganz klein machen will und als romantische Komödie daherkommt. Dabei handelt er vom – neben der Klimakatastrophe – größten Thema unserer Tage.

Superstars in Space und auf der Erde

Tom Tykwer und die Wachowskis, ein unverfilmbares Buch und ein ganzer Bus voll von Hollywoods Finest… Es ist, ganz ohne Zweifel, ein unbedingt sehenswerter Film. Er ist grandios, metaphysisch und verwirrend. Ein Film, viel größer als das Fernsehen, ohne Frage. Ein Film für den sie eigentlich ins Kino *müssen*. Versuchen sie nicht, „Cloud Atlas“ etwa auf ihrem Computer zu schauen – oder, noch weit schlimmer, etwa auf dem Smartphone, auf dem sie gerade diesen Blog lesen. Das würde ein Fiasko sondergleichen.

Geheimdienste I. / Frankreich I.

„Frankreich gegen den Rest der Welt“ ist ein Projekt und eine köstliche Satire, die mich neidisch macht, auf die „Grande Nation“. Frankreich, mit seinem durch seine inzestuöse „Elite“ geführten Zentralstaat und der diesem immanenten dysfunktionalen Bürokratie – da kann sich das deutsche Fernsehen zwar mühen und strecken… doch „unser“ Föderalismus und die grundsätzliche Durchschnittlichkeit unseres eigenen Systems ist halt einfach auch sehr viel weniger spektakulär… und sei es in den Witzen, die wir drüber machen.

Geheimdienste II. / Skarsgård I.

Auch um einen Geheimdienst, aber dieses Mal den ihrer Majestät, geht es in „Verräter wie wir“, einer John Le Carré Verfilmung. Bestes, klassisches, ja, konservatives Action-Kino! Äusserst gutaussehende Darsteller:innen, tolle Locations. Es wird geschossen, Sachen fliegen in die Luft, Autoverfolgungsjagden vor spektakulären Hintergründen. Und Stellan Skarsgård.

Vampire

Die vierte Wiederholung von Jim Jarmuschs „Only Lovers Left Alive“ in diesem Jahr. Dieses Mal beim WDR. Immer genial!

Frankreich II.

Über „die Binoche“ habe ich zuletzt vor knapp einem Monat erst geschwärmt. Hier wiederhole ich mich gerne. Auch weil es ein ganz anderer Film ist. Sie kann tatsächlich „Alles“ spielen. Und dafür verehre ich sie. Hier spielt sie durchaus eine Variante von sich selbst: Eine Intellektuelle in Paris – „Zwischen den Zeilen“.

Skarsgård II.

Habe ich eben von Skarsgård geschrieben? Ist es Zufall, dass wir gleich zwei Filme meines Lieblingsschweden in einer Woche bekommen? Wie auch immer, mir ist es Recht! Es gibt Schauspieler, bei denen bleibe ich eben hängen. Ob es nun beim Zappen auf den TV-Kanälen geschieht, oder beim Browsen durch die Mediatheken. Wenn Skarsgård dabei ist, dann bin ich es auch. Ganz gleich, ob Lars von Trier da gerade Filmkunst macht oder ein verrückter Norweger wie Hans Petter Moland eine ebenso verrückte wie köstliche Gewaltfarce inszeniert. Letzteres hier: „Einer nach dem anderen“

Content Warnung!

„Angel Heart“ von Alan Parker ist wirklich kein Film für alle! Das habe ich in meinem Beitrag begründet. Warum er aber auch sehenswert und filmhistorisch relevant ist, habe ich nur angerissen. Jedenfalls hat der Film mich vor fast 40 Jahren so nachhaltig beeindruckt, dass ich ihn mir heute Nacht noch einmal angesehen habe. Jetzt weiß ich wieder warum.

Western

Wenig beeindruckt war das Kino-Publikum von Natalie Portmans Ausflug in den Wilden Westen. Das hat der Film, und am wenigsten sie selbst, nicht verdient. Auch wenn es kein Meisterwerk ist, können sie ihre Lebenszeit weitaus sinnloser vergeuden. Für mich ist „Jane Got a Gun“ jedenfalls kein Grund mir keinen Portman-Western mehr anzusehen. Im Gegenteil. Ich hoffe dass sie nochmal einen macht. Und dann vielleicht mehr Glück dabei hat.

Soweit die Woche… Haben sie es gemerkt? Kein Fußball dieses Mal. Obschon das Wochenende durchaus bemerkenswert genug gewesen wäre, darüber noch das eine oder andere Wort zu verlieren. Aber nicht hier… außer: Gratulation an Union und die Eintracht!

Klaus

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