Fatih Akin – Tschick (2016)

„Tschick“ ist ein Sommerfilm. Bestimmt ist er das. Er ist sogar einer meiner Lieblingssommerfilme. Aller Zeiten! Und deshalb freu‘ ich mich so, dass eine gute Seele in der Programmplanung des Hessischen Rundfunks den Film mitten im Dezember, dann, wenn es draußen kalt und am dunkelsten ist, wieder in das Programm genommen hat.

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Überhaupt sind Roadmovies ein gutes Rezept, um dem Winterblues zu entkommen. Im Grunde, jedem Blues. Denn wer in Bewegung ist, muss keinen Gedanken an das verschwenden, was hinter sich liegt. Da geht es erst Mal nur um das Unterwegssein. Ziel: Wallachei.

Von Berlin aus gesehen, ist alles Wallachei, was hinter dem Autobahnring liegt. Und das stimmt ja auch. Brandenburger Steppe, wohin mensch sieht. Aber da braucht es nur zwei Jungs und einen alten Lada um in dieser Steppe die ganze Welt zu finden. Abenteuer. Freundschaft.

Fatih Akin ist mein Leib- und Lieblingsregisseur (also einer davon…). Er wollte diesen Film unbedingt. Dass er ihn schließlich auch machen durfte, entsprang auch einer Verkettung tragischer Umstände. Um so größer das Glück für uns.

Wolfgang Herrndorf war bereits todkrank, als er das Buch schrieb, und die Nähe des Todes ist in Form einer existenziellen Verdichtung zwischen den Zeilen spürbar. In seinem Roman öffnet er den Raum für eine Welt des Sommers und der Freiheit. „Projekt Regression: Wie ich gern gelebte hätte“, schrieb er dazu in „Arbeit und Struktur„. Am Rand aber, da lauern die Schatten. Auch im Film. Und besonders in diesem Sinn bleibt Fatih Akin diesem geliebten Buch treu. Das ist beglückend, bei aller Traurigkeit.

(Oliver Kaever, Der Spiegel, 14.09.2016)

Als 58 Jahre alter Mann wünsche ich mir, ich könnte nochmal 14 sein. Und ein Typ wie Tschick würde kommen, mich zu retten… ich würde einsteigen. Ohne Frage.

Ohne Sinn.


„Tschick“ – wieder in der ARD Mediathek bis 20.12.2023

Spielfilm, Deutschland, 2016
FSK: ab 12
Regie: Fatih Akin
Drehbuch: Lars Hubrich, Hark Bohm, Fatih Akin
Produktion: Marco Mehlitz
Musik: Vince Pope
Kamera: Rainer Klausmann
Schnitt: Andrew Bird
Mit: Tristan Göbel, Anand Batbileg, Mercedes Müller, Aniya Wendel, Anja Schneider, Uwe Bohm, Xenia AssenzaUdo Samel, Claudia Geisler, Marc Hosemann, Alexander Scheer, Friederike Kempter

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