Die Woche (01/2024)

Ob das neue Jahr ein „frohes“ für sie ist, kann ich nicht wissen. Ich hoffe, es ist soweit ein „gesundes“. Weil ohne das, ist alles nix. Da kenne ich mich aus. In den Mediatheken war es, bis hierhin, schon mal ein guter Anfang, finde ich. Der Blog macht ab morgen eine Pause. Hier erfahren sie, warum…

Aylin Tezel & Ken Duken – Bild (Ausschnitt): ARD Degeto/Conny Klein
Aylin Tezel – Die Informantin (2016 / 2019) – bis 01.10.2024

Mich nervt es furchtbar, wenn deutsche Schauspieler:innen in einen Vergleich zu amerikanischen Kolleg:innen gezwängt werden. Aus Heino Ferch wird kein deutscher Bruce Willis, sowenig wie Aylin Tezel zur deutschen Scarlett Johansson mutiert. Wobei ich ersterer aber ohne Frage zutraue jederzeit in eine Superheldinnenuniform zu steigen und bei Marvel/Disney den Schurken zu demonstrieren was eine Harke ist. (Nicht das Gartengerät!). Eigentlich ist das hier eine Emanzipationsgeschichte, in der das zunächst übelst manipulierte “Werkzeug” des Systems sich über die Umkehrung der Mechanismen des Geschäftes gegen das System selbst zu wehren lernt und die Machos enteiert. Auserzählt ist diese Figur noch lange nicht!

ARTE Re: – Mutti macht jetzt Punkrock (2023) – bis 18.12.2024

Hier habe ich gleich den ganzen Programmtext von ARTE übernommen. Ich hoffe, die Urheberrechtsanwälte in Straßbourg bewerten das, so wie ich, als Werbung für eine feine kleine Reportage über ganz großartige Frauen und das ARTE Re: Format. Denn es ist ja tatsächlich eine Insel im Programm auf die wir uns immer und zuverlässig retten können, wenn uns das Wasser woanders buchstäblich bis zum Hals steht.

Martin Wuttke – Heute stirbt hier Kainer (2021) – bis 31.12.2024

Nur für Wuttke habe ich mir damals viele Folgen des ARD Tatorts aus Leipzig angesehen. Und wie sehr habe ich meistens daran gelitten. Der Hessische Rundfunk macht all das Leid wieder gut! Diesen Film sollten sie sich allerdings nicht ansehen, wenn absurde Geschichten, Figuren, Schießereien oder ebenso überzeichnete Gewalt ein Problem für sie sind. Also etwa das, was sie aus Western kennen – oder neuen Versionen der ganz alten Geschichte: „Kommt ein Fremder in ein Dorf. Am Ende sind die Bösen tot“. Was für eine Freude.

Thriller in Serie – Cannabis (2016) – Bis 07.12.2024

Es gibt viele gute Gründe eine Legalisierung von Cannabis kritisch zu sehen. Es gibt wiederum einen sehr guten Grund durch diese Maßnahme dem internationalen Drogenhandel seine Geschäftsgrundlage zu entziehen. Und darüber können sie eine Menge lernen, in dieser ARTE Eigenproduktion von 2016 zum Beispiel. Erwarten sie nur keine Kiffer:innenwitze. Die gibt es hier schon mal so was von gar nicht. Natürlich ist „Cannabis“ eine fiktive Geschichte und kein Dokumentarfilm. Ein wahnsinnig spannender und dichter 6-teiliger Thriller, der es – wenn sie einmal drin sind – schwer macht, zwischen den Folgen abzuschalten. Bekifft halten sie das nicht durch!

Apokalypse Bielefeld – In My Room (2018) – NUR BIS 09.01.2024!

Hier sollten sie sich beeilen! Denn dieser Film läuft übermorgen schon wieder ab. Für mich ein „Lieblingsfilm“, weil er Sehgewohnheiten und Erwartungen bricht. Ganz ehrlich, der Film hat mich eine ganze Weile nicht losgelassen, als ich ihn zum ersten Mal sehen durfte. Und jede Wiederholung löst eine neue Kaskade an Gedanken und Emotionen aus, mit denen jede:r für sich umgehen muss. Für die einen ist es nur ein, zudem sehr langsam erzählter, deutscher Endzeit-Film, ohne jede Action. – Für andere ein großes und ultimativ phantastisches, philosophisches Gedankenexperiment.

Benedict Cumberbatch – Die Wundersame Welt des Louis Wain (2021) – bis 03.02.2024

Selbstanzeige: Ich bin eine Cumberbitch, oder „Cumberperson“, wenn ihnen das etwa lieber ist. Spätestens seit „Sherlock“ ist er ein Weltstar. Und ein unglaubliches Genie in der Auswahl seiner Rollen – das mag aber auch an seinen vorzüglichen Agent:innen liegen. Für den Mann schaue ich mir sogar die „Avengers“ an. Oder einen Katzenfilm über geistigen Verfall. Sprichwörtlich zwischen Genie und Wahnsinn. Eine äußerst cumberbatche Rolle. Und eine sehr tragische. Doch nicht nur Menschen die ihr Leben in Gegenwart von Katzen gestalten – oder es vielmehr von jenen mysteriösen Wesen gestalten lassen, werden durch diesen Film belohnt.

Mads Mikkelsen – Helden der Wahrscheinlichkeit (2020) – Bis 04.02.2024

Wie Cumberbatch hat auch Mikkelsen einen Lauf im Blog. „Alle Ereignisse sind das Ergebnis einer Reihe von vorangegangenen Gegebenheiten. Und weil wir in den meisten Fällen unzulängliche Daten haben, schreiben wir sie fälschlicher Weise dem Zufall zu.“ Was klingt, wie der Einstieg in ein Proseminar zu Statistik, Big-Data und künstlicher Intelligenz, ist hier der Einstieg in einen haarsträubenden Trip über Selbstjustiz, Willkür und männliche Unfähigkeit zur Trauer. Eine Komödie ist das sicher nicht. Eher ein großes europäisches Rachedrama. – Und wenn sie verstehen wollen, wie Verschwörungstheorien – und ihre, unter Umständen, fatalen Konsequenzen – hergeleitet werden… auch das wird hier sehr anschaulich beschrieben.

Auswärtsspiel – Die Toten Hosen in Ost-Berlin (1983) – Bis 03.02.2024

Anlässlich dieser Wiederholung, der vorzüglichen Dokumentation von Martin Groß (2022) über die Toten Hosen in Ostberlin 1983, fuhr mir der Gedanke durch den Kopf, ob ein solches Konzert wohl heute noch stattfinden würde, wenn statt der Stasi etwa Nazis in den Nebengassen lauern würden. Keine Frage, die Hosen würden das wohl eiskalt durchziehen. Aber ob etwa die sogenannten Sicherheitsbehörden der selben Auffassung wären? Ich behaupte es waren die Hosen, die dem antifaschistischen Schutzwall die ersten Risse beigebracht haben. Nun laufen die Faschist:innen wieder frei rum. Das haben wir damals so nicht kommen sehen.

Dev Patel – Der lange Weg nach Hause (2016) – Bis 12.01.2024

Hier haben wir einmal wieder einen Film, der so viel größer ist, als das Fernsehen. Mit einer (wahren) Geschichte, die uns bewusst machen könnte, wie klein die Welt eigentlich ist. Was bestimmt unsere Identität, wo sind wir zuhause, wenn ein Leben buchstäblich aus verlorenen Spuren besteht und durch Zufälle bestimmt wird? Wenn sie die Geschichte dieses „Löwen“ gesehen haben, werden sie diesen Film nicht mehr vergessen. Und wenn sie den Film durchhalten, ohne wenigstens eine Träne aus dem Augenwinkel wischen zu müssen, dann haben sie vielleicht ein echtes Empathie-Problem. Doch darüber zu richten steht mir nicht zu.

Apokalypse Thüringen – Endzeit (2018) – Bis 06.02.2024

Und noch ein Film aus Deutschland über das Leben nach der Apokalypse. Wieder aus 2018. Wieder bei ARTE: „Feministisches Buddy-Movie, Zombie- und Öko-Märchen. In einem post-apokalyptischen Deutschland müssen zwei sehr unterschiedliche junge Frauen, die in der berauschend schönen und doch lebensgefährlichen Natur gestrandet sind, einen Weg finden, miteinander zurechtzukommen, um zu überleben.“ Für Splatter-Liebhaber:innen ist „Endzeit“ eher nichts. Zombies sind hier nur Plot-Devices. Viel Blut und Gehäcksel bekommen wir nicht serviert. Und ehrlich, das hat mich auch am allerwenigsten gestört. Insgesamt ein Film den sie sehen wollen müssen. Sonst werden sie möglicher Weise enttäuscht. Ich kann so was lieben.

Blogpause

Nach „den Feiertagen“ und den Ferien, holt mich morgen die Realität lohnabhängiger Arbeit wieder ein. Ob ich meine Dienstreise nach Warschau – eigentlich eine meiner Lieblingsstädte – werde antreten können, liegt in der Hand der Wettergöttin, der Deutschen Bahn GDL und den aufgewiegelten deutschen Treckerfahrer:innen. Jedenfalls nimmt mich die Angelegenheit „offline“, so dass sie sich bis zum Ende der Woche selbst-versorgen werden müssen. Was ja auch bei der Herstellung landwirtschaftlicher Erzeugnisse grundsätzlich gar keine schlechte Idee wäre. Aber wer kann das eigentlich noch?

Bitte bleiben/werden sie gesund!

Eine Antwort zu „Die Woche (01/2024)“

  1. Avatar

    @mediathekperlen immer tolle und in jedem Fall lesenswerte Tips, vielen Dank dafür und gute Blog-Auszeit, danach geht es hoffentlich weiter!

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