Suffragette – Taten statt Worte (2015)

Um diesen Film gebührend einzuordnen, habe ich gerade noch einen Beitrag der BpB hervorgeholt, welcher der britischen Geschichte eine Zeitlinie aus Deutschland hinzufügt. Denn der Kampf der Frauen – nicht nur – um ihr Recht zu wählen, war immer auch eine internationale Bewegung. Und schon deshalb ist dieser Film ein Anlass sich das wieder in unser Bewusstsein zu holen.

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Denn auch wenn „Suffragette“ sich leider für eine sehr konventionelle, geradezu konservative Erzählweise der Geschichte unserer (Ur-)Großmütter auf den Barrikaden entschieden hat, auch wenn er die Geschichte hier mehr ein individuelles Sozialdrama, statt von einer universell revolutionären Bewegung erzählt – und damit in so ziemlich alle Fallen tritt, die einen Film über so elementare Verwerfungen und wahre Geschichte scheitern lässt, ist er es doch wert, gesehen zu werden. Denn wie oft, und wo, werden diese Geschichten überhaupt noch erzählt?

Tatsächlich ist dieser Film ein ziemliches Desaster. Von seiner Form einmal abgesehen, ließ vor allem seine Promotion auch wirklich gutmeinende an ihm verzweifeln.

Hannah Pilarczyk hat den Film im Spiegel zu seiner Premiere so umfassend verrissen, da konnte ich mich nur schwer motivieren, dennoch 2 1/2 Stunden Lebenszeit in ihn zu investieren. Toby Ashraf und Madeline Bernstorff konnten mich in ihrer Kritik für die taz dann aber doch neugierig genug machen und dazu motivieren ihm eine Chance zu geben.

Ungeschminkte Feministinnen, die Briefkästen in die Luft jagen, um auf Ungleichheit hinzuweisen, sind cool.

(Toby Ashraf, taz, 03.02.2016)

Und, ja, das sind sie tatsächlich! Vor allem, weil hier ein wahrhaftig starker Cast zusammengekommen ist. – Meryl Streep ist ihres überdrehten Kurzauftrittes wegen, allerdings eigentlich am allerwenigsten interessant. Doch Carey Mulligan und Helena Bonham Carter allein, sind schon tatsächlich gute Gründe einzuschalten. Ben Whishaw ist hier einmal als vollkommener Unsympath besetzt. Das hat ihm vermutlich gefallen. Denn dieser Mann ist inzwischen tatsächlich Englands Universaldarsteller – und längst über den Sidekick von James Bond hinausgewachsen.

Also liegt die Entscheidung bei ihnen. Eine Mediathekperle ist der Film schon aufgrund seiner Seltenheit im Programm. Ob es auch eine Bereicherung ihrer Abendunterhaltung wäre, kann ich nicht vorhersagen.


Suffragette – Taten statt Worte (2015) – in der ARD Mediathek bis 12.02.2024

Drama, Großbritannien, 2016
FSK: ab 12
Regie: Sarah Gavron
Drehbuch: Abi Morgan
Produktion: Alison Owen, Faye Ward
Musik: Alexandre Desplat
Kamera: Edu Grau
Schnitt: Barney Pilling
Mit: Carey Mulligan, Helena Bonham Carter, Natalie Press, Anne-Marie Duff, Romola Garai, Ben Whishaw, Brendan Gleeson, Meryl Streep, Samuel West, Adrian Schiller

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