Die Woche (07/2024)

Diese Woche in meiner Mediathekselektion hat wohl einen so internationalen Einschlag, wie noch nie. Dafür gibt es ganz unterschiedliche Gründe. Einer war, dass ich tatsächlich kaum einen Film gesehen habe. Das allermeiste der Beiträge stammt aus meiner Erinnerung. Und das ist irgendwie auch ein Qualitätsmerkmal. Denn wenn sogar bei mir was hängenbleibt, dann kann es ja nicht so schlecht gewesen sein.
Bild: NexxtPress / Stable Diffusion AI

Am Schreibtisch zu sitzen, war mir diese Woche gesundheitlich nicht so lange möglich. Doch dort sehe ich gewöhnlich tatsächlich mehr Filme, als etwa auf dem Großbild im Wohnzimmer. Das ist eine Folge der Möglichkeiten zu streamen, aber zuvorderst auch eine Nebenwirkung meines Videoarchivs das inzwischen die 10 Terabyte Marke gesprengt hat. Und dort war das meiste vom Angebot dieser Woche bereits vorhanden. Dass es auch die Woche der Natascha McElhone werden sollte, war am Montag noch nicht abzusehen. Doch tatsächlich begann und endet die Woche mit dieser Ausnahmeschauspielerin aus Irland.


John Frankenheimer – Ronin (1998) – bis 12.03.2024

Ob das ein „Männerfilm“ ist, mag ich nicht beurteilen. Tatsache ist, dass dieser ohne McElhone vor lauter Testosteron auch vor die Wand hätte fahren können. Zumal John Frankenheimer das wirklich gut konnte. Also Filme zu machen, mit Dingen die fahren. Züge als auch Autos kamen ihm immer sehr gelegen. Ich bekenne, eine gute Verfolgungsjagd macht mich weit mehr an, als das brillianteste Dialogfeuerwerk. Dazu braucht es nicht zwingend den Einsatz von verbrennungsmotorangetriebenen Vehikeln, doch sind diese eben spätestens nach „Ben Hur“ (1959) predominant und Zeugnis der Geschichte des 20. Jahrhunderts. Gleich drei von den Besten gibt es in diesem Film. Halten sie den Atem an! Mit Robert De Niro, Jean Reno, Natascha McElhone, Stellan Skarsgård, Sean Bean, Jonathan Pryce, Skipp Sudduth, Michael Lonsdale und Katarina Witt (!)


Every little thing – Marley (2012)

Gleich drei Mediathekhinweise in einem Beitrag finden sie hier. Und alle drei bei ARTE. Dafür müssen wir es mal wieder lieben. Denn soviel Platz im Program freizugeben, für einen Musiker der auch schon wieder über 40 Jahre tot ist, das ist ein großer Verdienst. Auch wenn der Anlass vermutlich im Kinostart des BioPics „One Love“ liegen mag, der die Geschichte von Bob Marley auf nur zwei Jahre seines Lebens reduziert und, nun ja, doch sehr einer glorifizierenden Erzählung nahekommen soll. Ich habe den Film nicht gesehen. Um so mehr empfehle ich ihnen den monumentalen Dokumentarfilm von Kevin Macdonald aus dem Jahr 2012. Einen besseren und vollständigeren Film über Marley gibt es (noch) nicht. Dazu noch zwei Konzertmitschnitte aus Jamaica und Dortmund.


Bruno Ganz – Winterreise (2019) – nur bis 28.02.2024

Der letzte Film des großen Schweizer Weltschauspielers. Eine deutsche Produktion, eines dänischen Regisseurs, gedreht in Amerika. Also ein, im besseren Sinne, internationaler Film. Ein, in jeder Hinsicht, die Konventionen sprengender Film. Ein bedeutsamer Film. Und ein sehr intimer Film. Denn was Østergaard verfilmt hat, war das Buch von Martin Goldsmith, über die Gespräche mit seinem eigenen Vater, Günter Goldschmidt, einem jüdischen Musiker, dem 1941 zusammen mit seiner Frau in letzter Minute noch die Flucht aus Nazideutschland geglückt ist, und deren gesamte zurückbleibende Familie in den Vernichtungslagern umgekommen ist. Verpassen wollen sie das nicht!


Blanchett & Redford – Der Moment der Wahrheit (2015) – nur bis 23.02.2024

In der Rückschau bin ich froh, dass ich im letzten Drittel meines Beitrags noch die Kurve bekommen habe, Cate Blanchett in den Mittelpunkt zu stellen. Sie ist der Star und der Mittelpunkt des Films, auch wenn die Legende Robert Redford natürlich weit mehr als schmückendes Beiwerk ist. Doch der alte Herr lässt ihr auch in den wenigen Szenen in denen sie gemeinsam auftreten, den Raum tatsächlich zu glänzen. Und das rechtfertigt sie mit einer großartigen Performance. Der Film selbst, nun, wie soll ich das beschreiben… vergibt viel des zugrundeliegenden Politdramas. Vielleicht hat er sich auch nicht trauen dürfen. Wenn Journalist:innen ihren eigenen Konzern in den Mittelpunkt einer Geschichte stellen, dann kommt das dort meistens nicht gut an… und wenn dem Konzern auch ein Filmstudio gehört… Sehenswert. Trotzalledem!


Ford & Pitt – Vertrauter Feind (1997) – nur bis 24.02.2024

Ein Film des großen Alan J. Pakula. Sie erinnern sich? Redford? Hoffman? „Die Unbestechlichen“ (1976)? Während ich mich noch frage, wie Pakula wohl mit der Geschichte aus „Moment der Wahrheit“ umgegangen wäre, kommt das ZDF mit seinem allerletzten Film um die Ecke. Er starb nur ein Jahr später. Daran kann ich nicht vorbeisehen. Denn dieses Superstar-Vehikel krankt zwar an vielem. Zuallererst an seiner Geschichte. Ein toller Film ist es aber dennoch. Denn alleine die Besetzung macht ihn einmalig… und sauspannend ist er auch! Außerdem der internationale Durchbruch für Natascha McElhone. Ich war erst Anfang 30 als ich diesen Film im Kino sah und so jung waren wir alle danach nie wieder.

Damit schließt sich meine Woche schon ab. Alles sehr gerne wieder gesehen.

Genau wie sie! 😉


Was hier fehlt und was ich diese Woche noch gerne gesehen und worüber ich womöglich gerne geschrieben hätte folgt hier. Vielleicht schaffe ich es ja in der nächsten Woche? Schaun wir mal, dann sehen wir weiter:

Große Freiheit – nur bis 22.02.2024 bei 3Sat
Die Magnetischen – bis 11.03.2024 – ARD
Monsieur Chocolat – bis 18.03.2024 – ARTE
Come as you are – Roadtrip ins Leben – bis 18.03.2024 – ARD

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