Die Woche (12/2024)

So schnell kann es gehen. Einmal einen Sonntag, keinen Wochenrückblick geschrieben, und schon geraten die Dinge so weit in den Verzug, dass leider einige der Beiträge schon wieder über ihr Verfallsdatum sind, weil die Mediatheken den Stecker gezogen haben. Doch statt schon wieder zu klagen, widmen wir uns doch lieber den Filmen, die sie bestimmt nicht verpassen wollen.

Bild: NexxtPress / Stable Diffusion AI

Es klingt vielleicht wie eine schlechte Ausrede aus Grundschulzeiten. Doch unser Hund war krank. Da ging tatsächlich eine Woche lang fast gar nichts in unserem Haushalt nach Plan. Wenn sie denken, sich auszukennen, so wie ich, dann werfen sie einmal „Geriatrisches Vestibularsyndrom“ in die Suchmaschine ihrer Wahl. Ganz ehrlich, das würden sie ihrem schlimmsten Feind nicht wünschen. Ich habe zwischenzeitlich wirklich jede Hoffnung verloren – und heute Grund unserer fantastischen Tierärztin zu danken, dass sie ganz genau wusste, was sie tat. Nur ihretwegen gab es nach knapp einer Woche wieder Zeit und Nerven genug, überhaupt an Fernsehen zu denken.


Fatih Akin – Tschick (2016) – leider nicht mehr verfügbar

„Tschick“ ist (m)ein Herzens-Sommerfilm. Bestimmt ist er das. Aller Zeiten! Und deshalb freu‘ ich mich immer so, dass eine gute Seele in der Programmplanung der ARD den Film schon wieder in das Programm genommen hat. Als 58 Jahre alter Mann wünsche ich mir, ich könnte nochmal 14 sein. Und ein Typ wie Tschick würde kommen, mich zu retten … ich würde einsteigen. Ohne Frage. Ohne Sinn.


Percy Adlon – Out of Rosenheim (1987) – bis 12.04.2024

Gleich noch ein lebenslanger Lieblingsfilm. Und eine angemessene Würdigung des verstorbenen Percy Adlon – des wohl amerikanischsten aller bayerischen Filmemacher. Es gibt wenige andere Filme, die ich, über so lange Zeit, so sehr geliebt habe, wie „Out of Rosenheim“. Wahrhaftig einer meiner ewigen Top-10 aller Zeiten. Tatsächlich war er 1987 lebensverändernd. Ewige Liebe für Marianne Sägebrecht und CCH Pounder. Wenn sie ein Herz haben, das für das Kino schlägt, dann, glauben sie mir einfach, wollen, nein, müssen sie diesen Film einfach (wieder-)sehen.


Tom Tykwer – Cloud Atlas (2012) – nur noch bis 25.03.2024

Ich bin wirklich der letzte, sich über Wiederholungen zu beschweren. Doch wenn ein Film nur 10 Tage nachdem er in der Mediathek abgelaufen ist, schon wieder da ist, dann stelle ich mir schon die Frage, ob das nicht irgendwie besser planbar gewesen wäre. Zum Beispiel durch eine Wiederholung direkt vor dem Ablauftermin – die so wieder laufende und ununterbrochene Verfügbarkeit ermöglicht hätte. Doch nicht nur da hat die ARD noch jede Menge Optimierungspotential. Und ich hätte im Blog weit weniger Arbeit. (Auch dieser Beitrag ist eine Wiederholung einer Wiederholung. 😉)


Matthew McConaughey, Jared Leto – Dallas Buyers Club (2013) – nur noch bis 27.03.2024

Auch bei diesem Film handelt es sich natürlich um eine Wiederholung. Und wieder gibt die ARD uns nur eine Woche für einen wirklich wieder-sehenswerten Oscar-Gewinner. Sechsmal nominiert und dreimal gewonnen haben 2014 hier vor allem die Hauptdarsteller: Matthew McConaughey und Jared Leto. Die Adaption eines „literarischen Werkes“, nämlich eines Zeitungsartikels in der „Dallas Morning News“. Also eine Geschichte nach (weitgehend) wahren Begebenheiten. Ein Verdienst des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, uns diesen Film schon zum dritten Mal in diesem Jahr wieder in den Mediatheken anbieten zu können. Wenn auch nur für eine Woche.


Tom Hanks – Captain Phillips (2013) – leider schon abgelaufen

Meines Wissens, war dieses „Spielfilm-Highlight“ mit Tom Hanks eine ganze Weile nicht im Fernsehen zu sehen. Ich kann es aber auch einfach nur übersehen haben. Mir jedenfalls hat der Film ausgezeichnet gefallen. Obschon ich ihn nicht als „Blockbuster“ wahrgenommen habe, sondern eher als ernstes Drama über eine Region der Welt, die wir aus vielfältigen Gründen so fast gar nicht auf dem Schirm haben. Regisseur Paul Greengrass hat sich schon allein deshalb verdient gemacht. Denn er hat darauf verzichtet, mit Abziehbildern von gesetzlosen „Piraten“ und „ehrenhaften“ westlichen Seefahrern zu arbeiten, sondern gab seinem Drama eine soziale Realität, in welcher „die Bösen“ eigentlich nicht „böse“, sondern in erster Linie verzweifelt sind.


Die dunklen Tage sind vorbei – Wir waren Kumpel (2024) – Im Kino

Ein seltener Kinotipp, den ich dankbar aus dem Magazin „Fluter“ der Bundeszentrale für politische Bildung in Bonn übernommen habe. Ich habe mit dem Steinkohlebergbau schon in den Achtziger Jahren abgeschlossen. Doch einige der Bergleute, die „auf Prosper“ den letzten Schacht zugemacht haben, waren meine Kollegen. Da lässt einen das Thema auch nach 40 Jahren nicht los.


Emily Beecham & Ben Whishaw – Little Joe (2019)- bis zum 28.03.2024

Wieder einer dieser Filme, die zum Motto eines Tages so beunruhigend perfekt passen, dass durchaus zu öffentlich-rechtlichen Konspirationstheorien Anlass gegeben wäre. Weil der Film am „Weltglückstag“ (20.04.) in die Mediathek gelangt ist, weil Jessica Hausner eine ganz spezielle Regisseurin ist, die mich immer interessiert, und weil ich Ben Whishaw Fan bin, musste ich mir diesen Film einfach ansehen. Mich hat er ziemlich entzückt. Doch ist er nichts, das ihre Sehgewohnheiten etwa verfestigen würde – im Gegenteil. Es ist ein ungewöhnlicher Film. Nehmen Sie es, wie sie wollen. Als Warnung vor der Gentechnik, als Reflexion über die Liebe, als sinnliche Herausforderung, oder als subtilen Horror. Ganz je nachdem, wie sie gerade drauf sind.


Die Thalbachs – Wir sind die Rosinskis (2016) – bis 23.03.2025

Die Dysfunktionalität der Mediathek der Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkanstalten in Deutschland lässt sich an dieser entzückenden Freitagabendkomödie mit dem Thalbach-Clan ganz hervorragend nachvollziehen. Ist er zurzeit dort doch mindestens zweimal vorhanden. Einmal mit einer Verfügbarkeit bis zum 13.12.2024 und ein weiteres Mal mit einer Verfügbarkeit bis zum 23.03.2025. Und jetzt mal ehrlich, liebe Mainzer:innen in der Redaktion: Für diesen Unsinn könnt ihr zwar Medienstaatsverträge verantwortlich machen. Ihr könntet aber auch „einfach“ mal damit Ernst machen, eurer Mediathek etwas Liebe zu schenken. Denn die wir eurem Anspruch und, das vor allem, eurem Publikum und leider auch der Güte des so lieblos verwalteten Materials einfach nicht gerecht!


Jenseits der Provinz – Mareike Wegener – Echo (2022) – nur bis 30.04.2024

Wo ich gerade vom Gütegehalt des in der ARD Mediathek vorgehaltenen „Materials“ geschrieben habe…: Hier haben wir gleichsam einen Edelstein. Und der hat nur 7 Tage sie davon zu überzeugen sich diesen Krimi anzusehen, der so gar nicht dem entspricht, was sie sich gemeinhin darunter vorstellen würden. Wäre ich Intendant, Programmchef oder Redakteur beim WDR, dann würde ich Mareike Wegener heute schon für den Tatort verpflichten, sollte eines der existierenden Teams in Köln, Dortmund oder Münster mal nicht mehr wollen. Eine „Mystery-Ermittlerin“ fehlt uns im größten Fernsehland der Republik nämlich noch!


Bong Joon-ho – Parasite (2019) – nur bis 30.03.2024

Das Beste zum Schluss. Ich weiß nicht, wer diese Regel einmal aufgestellt hat, doch hier trifft sie fraglos zu! Bitte verpassen Sie diesen Film nicht schon wieder, sollten sie nicht eine der letzten Wiederholungen gesehen haben. Denn für mich ist er einer der besten (und ungewöhnlichsten) Filme des letzten Jahrzehnts. Und, ganz ehrlich, auch in diesem ist mir noch keiner bekannt, der Bon Joon-hos Meisterstück das Wasser reichen könnte. Ich glaube eher nicht, dass wir etwa in 10 Jahren noch über „Barbenheimer“ sprechen werden. Doch dieser Film, den nicht nur die Jurys, Festivals und Akademien gefeiert haben, ist bis heute so einmalig. Der wird uns bleiben. Ich liebe „Parasite“ als absolut subversives, satirisches, bissiges, kapitalismuskritisches und hochdramatisches Gegenwartsmärchen.


Der Hund liegt auf der Couch und schläft. Ich bereite mich auf den deutsch/polnischen Polizeiruf 110 aus Frankfurt/Oder vor. Nächste Woche geht’s hier weiter. Wenn alles so bleibt, sind alle zufrieden. Wann kann ein Mensch das eigentlich noch mit Überzeugung sagen?

Ich wünsche es ihnen jedenfalls sehr!

2 Antworten zu „Die Woche (12/2024)“

  1. Avatar

    @mediathekperlen
    Den Film "Echo" fand ich sehr langatmig, die Musik recht anstrengend. Eingestreute kl. Witze, z.B. "Suchhund", waren schon amüsant. Das Innovativste an dem Film war die Darstellung der PTBS!
    Hm, nun ja, den Film muss mensch nicht unbedingt gesehen haben.

    1. Mediathekperlen

      Ja, ich verstehe, wo dein „Echo“ herkommt. Eigentlich geht es mir ziemlich genau so. Ich suche so was aber auch zwischendurch immer mal. Damit kann ich allgemein gut runter kommen. Und wenn ich dabei doch mal einschlafe, schön für mich, dann schau ich halt am nächsten Morgen weiter. 😉

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