Der NDR wird morgen eine neue Intendantin wählen. Wobei die Frage erlaubt sein muss, wieviel „Wahl“ dem Rundfunkrat da eigentlich bleibt, wenn es überhaupt nur eine Kandidatin für den wichtigen Job gibt. Das Gremium kann den „Vorschlag“ morgen entweder mit 2/3-Mehrheit annehmen, oder der Verwaltungsrat muss innerhalb eines Monats eine:n neue:n Kandidat:in vorschlagen.

Die Neue soll von Bertelsmann kommen, genauer gesagt, vom ehemaligen Hamburger-Traditionsdampfer der deutschen Nachkriegspublizistik „Gruner & Jahr“. Vielleicht ist es ihnen noch in Erinnerung, wie G+J erst in 2023 eine 100% Tochter von RTL wurde und seither vor allem durch den Ausverkauf noch verbliebener Holzpresse-Altlasten Schlagzeilen gemacht hat.
Die Gefahr eines Ausverkaufs wird beim NDR in näherer Zukunft nicht bestehen. Jedenfalls so lange die Ministerpräsident:innen und Bürgermeister der Rundfunkanstalt weiterhin per Medienstaatsvertrag einen öffentlich-rechtlichen Auftrag geben. Es könnte aber – und das ist eine sehr realistische Annahme – zu einschneidenden Verteilungskämpfen um den nach diesen Verträgen verbleibenden Programmauftrag der ARD geben.
Und in genau diesen Kämpfen ist der NDR eine Supermacht. Ist er doch, nach WDR und SWR nicht nur der drittgrößte Sender überhaupt in der ARD – mit dem geografisch größten Sendegebiet über die meisten Bundesländer (Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern), sondern auch noch verantwortlich für den gesamten Nachrichtenkomplex im ARD-Programm, vor allem mit Tagesschau, Tagesthemen und Tagesschau24. Dazu gehören noch die Auslandskorrespondent:innen des NDR in den wichtigen Studios in Washington, London, Peking, Tokio und Stockholm.
Dazu schrieb DPA heute in einer Meldung:
Der NDR-Chef ist Fürsprecher für die «Tagesschau»-Marken. Das wird in den nächsten Jahren besonders wichtig werden: Ein Kräftemessen mit dem ARD-ZDF-Nachrichtensender Phoenix deutet sich an. Der Rundfunk soll sein Angebot bei kleineren TV-Sendern nach Vorgabe der Länder stärker bündeln und den Fokus auf das Internet legen – es könnte einer von beiden TV-Nachrichtensendern mit klassischem fortlaufenden Programm wegfallen. Ob es Phoenix oder Tagesschau24 treffen könnte – das ist offen.
Insoweit geht Sie diese Wahl in Hamburg morgen auch was an, ganz egal, wo sie wohnen. Und ob Sie zur Wahrung ihrer Interessen beim „Umbau“ der ARD ausgerechnet der „Medienmanagerin“ Sandra Harzer-Kux das Vertrauen aussprechen sollten oder nicht, das überlasse ich ganz Ihnen.
Journalistin war sie nie.
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