Rosalie Thomass – Rufmord (2018)

3.5
(2)
Schon sechs Jahre alt soll dieser Thriller von ZDF & ARTE sein. Unglaublich eigentlich, weil ich mich noch so gut an seine Erstausstrahlung erinnern kann, als wäre sie erst gestern gewesen. Und weil mir das bei deutschen Krimis wirklich nicht oft passiert, muss der Film etwas Besonderes sein. So etwas sehen sie wahrscheinlich nur selten!

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Hände hoch, wenn sie in ihrer Krimi-Rezeption nicht am Tatort geschult wurden. Viele können es ja eigentlich nicht sein. Denn eigentlich hat der, auf über 50 Jahre Tradition bauende, föderale Sonntagabendkrimi in Deutschland längst Verfassungsrang. Oder sowas Ähnliches. Im Guten, wie im Durchschnittlichen ist er das letzte Lagerfeuer der Nation… oder wird uns wenigstens von den bei der ARD dafür Verantwortlichen als solches verkauft.

Für mich überzeugt ein Krimi also immer erst dann, wenn er mindestens besser als ein durchschnittlicher Tatort ist. Und ein richtig guter Krimi ist für mich erst dann wirklich gut, wenn er sein Publikum auf dem Sontagssendeplatz nachhaltig verunsichern würde und schon allein deshalb als Tatort eigentlich unvorstellbar wäre. Einfach, weil so ein Krimi dann aus dem Konzept des immer gleichen ausbricht und mich noch zu überraschen in der Lage ist.

Luisa liebt ihren Lehrerberuf und ist bei ihren Schülern beliebt. Doch kurz nachdem sie sich geweigert hat, einem Schüler eine Gymnasialempfehlung zu geben, taucht auf der Webseite ihrer Schule ein Nacktfoto von ihr auf. Ihr Leben wird zum Spießrutenlauf.

ARTE Programmtext

Hier haben wir mit Verena Altenberger eine erfahrende Ermittlerin, die wir zwar ebenfalls vom Sonntagabend kennen (Polizeiruf 110), die aber eigentlich für den Verlauf der Handlung nur eine sehr unerhebliche (Neben-)Rolle spielt.

Denn der Star ist hier das Opfer. Und das meine ich, wie ich es geschrieben habe.

Denn Rosalie Thomass IST dieser Film. Sie gibt der Geschichte ihr wunderbar lesbares Gesicht, sie (durch-)lebt das Drama, die Tragödie und das Finale fast ganz allein. Und der Rest des sehr guten Casts ist eigentlich dazu verurteilt, nur die soziale Kulisse darzustellen, vor der ihre Story sich entwickelt. Superstar!

Und Johann von Bülow ist als ihr Antagonist ja nun auch schon lange kein Newcomer mehr. Im Gegenteil. Hat der Mann doch in seiner langen Karriere in mehr TV-Krimiserien mitspielen dürfen, als Sie und ich überhaupt erinnern können. Doch hier ist seine Rolle eigentlich auf die Funktion des MacGuffin reduziert. Er braucht weder eine komplexe Persönlichkeit, noch eine vergleichbare Backstory. Es reicht, wenn er einfach ein bürgerlicher Spießer ist.

Wenn Sie vor zwei Jahren zum Beispiel Orkun Erteners (auch: Kriminaldauerdienst, KDD) große ZDF-Serie „Neuland“ mit der fantastischen Franziska Hartmann gesehen haben, dann finden Sie vieles aus der Hamburger Serie auch in diesem Film aus Oberbayern. Und die Vergleichbarkeit erklärt auch die Irrelevanz der geografischen Verortung dieser Dramen. Es ist das große deutsche „Irgendwo in Überall“.

Denn das ganze Ökosystem dieses Krimis atmet genau die westdeutsche Kleinstadtspießigkeit, vor der sich Geschichten so trefflich entwickeln lassen. Bürgerlich, wohlhabend, aber nicht so reich, dass es egal ist, was die Nachbar:innen denken. Und beim Elternabend in der Schule immer Meinungsführer:innen in der ersten Reihe. Kennen Sie das etwa auch?

Ein idealer Sumpf also, um eine top-moderne Geschichte um Cybermobbing, Revenge-Porn, voll Abhängig- und Gefälligkeit zu spinnen, deren Verlauf provoziert – und deren Ende überrascht.

Es ist kompliziert. Das Drehbuch ist nicht wirklich komplex, doch anspruchsvoll genug, um sie zu fordern. Und da meine ich vor allem ihre Aufmerksamkeit. Denn der Film beginnt mit dem Ende und wird dann quasi in zwei Zeitebenen erzählt, die sich erst im Finale wieder treffen. Und ich gehe die Wette ein, dass der Film es vermag, neun von zehn Zuschauer:innen zu überraschen.

Am Sonntagabend können sie so etwas wirklich nicht erwarten.



Krimi, Deutschland, 2018, FSK: ab 12, Regie: Viviane Andereggen, Drehbuch: Claudia Kaufmann, Britta Stöckle, Produktion: Kirsten Hager, Carmen Stozek, Musik: Annette Focks, Kamera: Martin Langer, Schnitt: Constantin von Seld, Mit: Rosalie Thomass, Johann von Bülow, Shenja Lacher, Ulrike C. Tscharre, Lilly Forgách, Verena Altenberger, Johanna Gastdorf, Eli Wasserscheid, Natalia Rudziewicz


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