Margot Friedländer – „WDR-Lokalzeit-Münsterland“ (2025)

Zugegeben, ein Beitrag aus der „Lokalzeit“, einem Regionalnachrichtenformat im Sendegebiet des WDR in NRW qualifiziert sich eher selten als „Mediathekperle“. Doch es gibt mehr als einen Grund, warum es heute zum ersten Mal dazu gekommen ist.

Tatsächlich wird die 104 Jahre alte Holocaust-Überlebende Margot Friedländer, während ich noch an diesem Beitrag schreibe (€), mit dem „Sonderpreis des Westfälischen Friedens“ ausgezeichnet. Diesen verleiht die „Wirtschaftliche Gesellschaft Westfalen Lippe“ – eigentlich ein politischer Lobbyverband all jener Unternehmer:innen, die entweder besonders in meiner Nachbarschaft aktiv – oder gar hier ansässig sind. Mit der Bundes- und Landespolitik vernetzt sind diese Wirtschaftskapitän:innen aus der westfälischen Provinz allesamt ganz hervorragend.

Wenn Sie sich anschauen, wer dort so in der Jury dieses Friedenspreises sitzt, dann ist sofort klar, dass Sie das Wort „Establishment“ nicht erst ins Deutsche übersetzen müssen. Das verstehen Sie auch so. Und wie sehr sich die Mitglieder der Jury (alles Männer!) selbst um den „Frieden“ in Westfalen und der Welt verdient gemacht haben, das obliegt ebenfalls unserer gegebenenfalls kontroversen Beurteilung.

Keine Frage ist aber, dass auch dieses Forum einer der letzten überlebenden Zeitzeuginnen des Holocaust eine Gelegenheit gibt, die Botschaft zu verbreiten, der sie ihr Leben gewidmet hat:

„Ihr dürft nicht schweigen! Macht was! Ihr habt alle die Gelegenheit, es ist ja für euch, es ist nicht für mich. Es ist für euch! (…) Denn es kann ja immer wieder passieren. Und dann sind Sie diejenigen. Sie sollen wissen, dass nicht nur die Juden umgebracht wurden, dass Menschen umgebracht wurden!“

Margot Friedländer

Diese Botschaft ist es, die während und nach Verleihung des Preises eben besonders von denen gehört werden muss, die sich entschieden haben, dass die kleine zierliche alte Dame mit dem unbändigen Lebenswillen ihres Preises „würdig“ sei. Dabei steht diese doch so weit über ihren kleinen provinziellen Existenzen. Wollen diese sich anmaßen, sich mit ihr zu schmücken und damit moralisch erheben? Ich denke, ihnen, ganz besonders, wie uns allen, gilt das Lebenswerk der Margot Friedländer.

„Für meine Botschaft brauche ich nicht viele Worte. Es gibt kein christliches, kein jüdisches, kein muslimisches Blut. Es gibt nur menschliches Blut. Wir sind alle gleich. Seid Menschen.“

Margot Friedländer

#NiemalsVergessen!


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Lokalnachrichten, (2:33 Minuten), Nordrhein-Westfalen, 2025, Autor: Simon Lenartz, Produktion: WDR Studio Münster


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