Joachim Król, Désirée Nosbusch – Ökothriller – Blutholz (2023)

Krol hat viel gearbeitet, in den letzten 30 Jahren. Doch er hat es geschafft, sich niemals festzulegen. Seine Ausstiege aus TV-Serien sind immer genau zu dem Zeitpunkt erfolgt, an dem er zur Gewohnheit hätte werden können. Und deshalb ist er es nie geworden. Große Rollen, Nebenrollen, Versager, Held oder Bösewicht. Nicht viele sind dabei so frei wie er, und doch so wiedererkennbar. In diesem Wirtschaftskrimi um die Holzmafia ist er als Held gebrochen, als Mensch aber ganz bei sich.

„Blutholz“ – Ein Triller über die Holzmafia mit Joachim Król
Bild: © ZDF / Hannes Hubach (2023)

Der Kontrast zwischen dem noch fast jugendlich anmutenden Liebhaber von 1993 und dem desillusionierten Ex-Spezialkräfte-Veteran der hier durch den rumänischen Urwald stampft, könnte eigentlich gar nicht größer sein. Ganz unzweifelhaft ist der Hauptdarsteller gealtert. Ebenso unzweifelhaft ist er aber der selbe geblieben. Ein ziemlich einzigartiger Künstler, der über das Understatement, das reduzierte, das authentische in Erinnerung bleibt. Der Typ hat unendliche Narben auf der Seele und seinem Körper. Doch solange er seinen geschundenen nackten Leib noch durch das Unterholz schleppen kann, ist er nicht totzukriegen.

Und wer zuletzt lacht, lacht ja bekanntlich am besten. Schön, das Regisseur und Autor Thorsten C. Fischer ihm dieses versöhnliche Geschenk gemacht hat. Quasi als Entschädigung für die einsame Heldenreise des Hans Schüssler.

Ein ziemlich erschreckender, weil aus der Wirklichkeit stammender und auch deshalb fesselnder Wirtschaftskrimi ist das. Vieles daran ist spektakulär: Außer seiner drastischen Aktualität in seiner Beschreibung der Geschäfte der internationalen und globalen Holz-Mafia, und durch Naturaufnahmen, die sie in ihrer monumentalen Bildkraft tief in den Fernsehsessel versinken lassen, sind es Król und seine Partnerin Desiree Nosbusch, die hier die Geschichte fast alleine tragen. Ich glaube ihnen die gemeinsame Vergangenheit sofort. Und das Rumänisch der beiden – welches ich durch Freunde habe prüfen lassen – ist tatsächlich verblüffend gut. Bei dem uns seit Jahrzehnten bekannten Sprachgenie der Nosbusch ist das nicht wirklich überraschend, bei Król um so mehr.

Uită-te la asta!


ARTE Dokumentation (2023)

Wenn ihnen nach einer Vertiefung des Themas ist, dann empfehle ich ihnen gerne den Dokumentarfilm (2023) von Marianne Kerfriden und Xavier Deleuin, derzeit in der ARTE Mediathek. Der Film greift zwar etwas kurz, weil er sich einzig auf den Konzern aus Schweden bezieht, ist doch gerade das Holzgeschäft eines, das sich durch weit mehr Branchen und Industrien zieht, als nur das der Fast-Fashion-Furniture Konsumgesellschaft. Sehenswert aber ist er dennoch. Denken sie sich den Rest einfach dazu.


„Blutholz“

Wirtschaftskrimi / Ökothriller, Deutschland, 1993
FSK: 0
Regie: Torsten C. Fischer
Drehbuch: Torsten C. Fischer, Alexander Buresch
Produktion: Martin Lehwald, Marcos Kantis
Musik: Fabian Römer
Kamera: Hannes Hubach
Schnitt: Kai Minierski
Mit: Joachim Król, Désirée Nosbusch, Alina Levshin, Geo Dobre, Anja Schneider, Peter Franke, Alexander Beyer, Orodel Olaru, Bogdan Ciubuciu

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