Für ein paar Dollar mehr (1965)

Italo-Western-Festwochen im BR und der ARD Mediathek

Wir hatten guten Grund zur Hoffnung und das Programm des Bayerischen Rundfunks mag uns nicht enttäuschen: Nach „Für eine Handvoll Dollar“ (Per un pugno di dollari, 1964) dem ersten Film aus Sergio Leones „Dollar Trilogie“ in der letzten Woche, gibt es heute mit „Für ein paar Dollar mehr“ (Per qualche dollaro in più, 1965) den zweiten Film, bevor „Zwei glorreiche Halunken“ (Il buono, il brutto, il cattivo, 1966) die Kultreihe abschliessen wird… Weihnachten kommt früh, im BR, dieses Jahr!

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Für mich und diesen Blog ist die Wikipedia immer eine absolut essentielle Quelle gerade für die Informationen, die insbesondere in der ARD-Mediathek sträflichst vernachlässigt werden. Informationen über die Besetzung, Crews und selbst das Produktionsdatum finden wir dort nur als absolute Ausnahmen. Was ist daran so schwer? Am Ende sind es Datenbanken. Einmal eingepflegt, können diese ewig genutzt werden. Und der Service am Publikum wäre nachhaltig. Andere können das um Längen besser. ARTE ist sicher das Vorbild für alle anderen.

Für ein paar Dollar mehr

Zu „Für ein paar Dollar mehr“ liest die deutsche Wikipedia sich allerdings tatsächlich wie die „extended Version“ eines Programmheftes zum Film. Dort hat ein:e Autor:in seine ganze Liebe in die Enzyklopädie gepackt, das ist deutlich. Ein wenig zu kurz kommen dort aber die künstlerischen Inspirationen des Filmemachers. Denn so wie im ersten Film der Trilogie Akira Kurosawa und dessen Film „Yojimbo“ für Sergio Leone Pate gestanden haben, so waren es für den zweiten Teil Robert AldrichsVera Cruz“ (1954) (mit Gary Cooper & Burt Lancaster) sowie „The Bravados“ (1958) von Henry King. Der italienische Revolutionär des ur-amerikanischen Westerns kehrte also sozusagen zu den Quellen des Mythos zurück.

Für Clint Eastwood war Sergio Leone ganz ohne Zweifel erheblich daran beteiligt, den Grundstein für seine spätere weltweite Blockbuster-Karriere zu legen, so wie auch er für Lee Van Cleef, eigentlich die Dritt- oder Viertbesetzung für seine Rolle in diesem Film, dafür verantwortlich war, ihm eine noch weit längere Karriere in der Welt des Italo-Westerns und seine Verewigung als eine ihrer Ikonen zu schenken. Im dritten Teil der Trillogie werden wir beide wieder sehen.

Klaus Kinski

Für den deutschen Klaus Kinski, in dessen Wikipedia-Biographie seine lange Italo-Westernkarriere erstaunlicher Weise kaum Erwähnung findet, war dieser Film tatsächlich ein Ausbruch aus dem bürgerlichen deutschen Kino – und ein erster Zahltag der ihm ein vergleichsweise komfortables Leben in Italien ermöglichen sollte. Wenn sie sich die Knallcharge aus Winnetou II. in Erinnerung rufen und dann die Nebenrolle als  „der Bucklige“ in „Für ein paar Dollar mehr“ sehen, dann wird klar, wie sehr er an seinen vorherigen Rollen unterfordert gewesen sein muss. Für sich selbst und seine Familie und Mitmenschen, war er sicher und tragischer Weise der wahrhaftig größte Feind, ein Ekel, ja ein Monster. Filmhistorisch, bleiben seine Figuren ein Teil der Geschichte.

FSK 16

Über die Jahre gab es mehr als eine Handvoll Schnittfassungen dieses Klassikers. Die Ausstrahlungen im deutschen Free-TV waren, soweit ich es verstehe, immer wesentlich beschnitten, um den Ausstrahlungszeiten gemäße Zensurvorschriften der „Freiwilligen Selbstkontrolle“ zu berücksichtigen. Über die Jahrzehnte haben sich diese Vorschriften dann aber doch wesentlich dem Zeitgeist angepasst. Dennoch ist die heute angebotene Schnittfassung mit einer Gesamtlaufzeit von 126 Minuten immer noch um gut 10 Minuten kürzer als das künstlerische Original von 1965. Das mag dem Sendeplatz vor Mitternacht geschuldet sein.


„Für ein paar Dollar mehr“ (Per qualche dollaro in più) – wieder in der ARD-Mediathek bis zum 17.12.2023

„Für ein paar Dollar mehr“ (Per qualche dollaro in più) – in der ARD-Mediathek bis zum 03.12.2023

Western, Italien, Spanien, Deutschland, 1965

FSK: ab 16 (22:00 Uhr)
Regie: Sergio Leone
Musik: Ennio Morricone
Mit: Clint Eastwood, Lee Van Cleef, Gian Maria Volonté, Mara Krupp, Luigi Pistilli, Klaus Kinski, Josef Egger

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