Kiezgebiet Neukölln – Sonnenallee (2023)

Besser konnte das ZDF diese kleine Doku-Mini-Serie eigentlich nicht timen. Quasi als Vorpremiere für das neue Mittagsmagazin steht die 4-teilige Dokumentation „Sonnenallee“ schon in der Mediathek. Und weil anzunehmen ist, dass „Neukölln“ zum Jahreswechsel wieder als Synonym für alle möglichen Eskalationen der vollkommen unnötigen Silvesterballerei genutzt werden wird, kommt sie zur richtigen Zeit.

Die Sonnenallee ist eine 4,9 Kilometer lange Straße in Berlin-Neukölln und Treptow. (Screenshot / ZDF Mediathek)

Denn was wir hier bekommen, zerstört zunächst einmal alle Erwartungen. Hier geht es nicht um Berichte aus einem „Kriegsgebiet“, sondern um die, die da leben. Menschen also, die rechts und links der fast fünf Kilometer langen Straße wohnen und arbeiten. Im Grunde bekommen wir hier einen Expeditionsbericht in den Mikrokosmos deutscher Normalität.

Keine Gangsterrapper:innen, sondern Kleingärtner:innen (ja, voll mit Gartenzwerg und so!), Unternehmer:innen, Künstler:innen, Köch:innen, Gastwirt:innen, Skater:innen und Rentner:innen bevölkern die vier Folgen. Und da geht es nicht etwa um die Simulation einer Idylle, sondern durchaus auch um knallharte Konflikte, wie um Palästina, Gentrifizierung, um Bildung, Ökonomie und die ganz normalen Versuche ein Leben zu gestalten – in einem Kiez der, dem Vorsitzenden der CDU folgend, nicht mehr zu Deutschland gehört… (Ok… er hat „Kreuzberg“ gesagt – aber vermutlich das noch viel weniger gentrifizierte Neukölln gemeint.)

Kein spektakulärer Leuchtturm öffentlich-rechtlicher Großproduktionen. Nur ein kleines Format, mit dem ab Januar die, auf das doppelte gestreckte, Sendezeit des ZDF Mittagsmagazins gefüllt werden soll. Und wenn Sendezeit so genutzt wird, dann hat sie einen Sinn.

„Habibi, es ist grün. Wenn grün ist, du fährst!“ (Yunus Yilmaz, Fahrlehrer)


„Sonnenallee“ – in der ZDF Mediathek bis 25.12.2025

Doku-Mini-Serie in 4 Teilen
Autorin: Ronja Henke
Ton: Björn Morres
Kamera: Tiemo Fenner, Frank, Schunicht, Liane Reufels
Schnitt: Johannes Furrer
Recherche: Birgit Schuler, Ali Darwich
Produktion: Miriam Weinandi, Jutta Erlebach (Kelvinfilm)

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