Die Thalbachs – Wir sind die Rosinskis (2016)

Ich liebe sie einfach, die Thalbachs! Alle! Katharina kommt mir im Alter am nächsten. Und sie ist die größte von allen. Was ich gestern so enthusiastisch über den George geschrieben habe, verdient sie wohl mindestens zwei Mal. Ganz wie der, hat sie eigentlich auch ihr eigenes Genre geprägt. „Ein Film mit Katharina Thalbach“, mehr Grund brauche ich nicht zum Einschalten.
Die Familie Rosinski – Bild: ARD Degeto/Daniela Incoronato

Bei dem Genre deutscher Komödie, allerdings, bin ich dann doch eigentlich ein echter Snob. Da verspreche ich mir erst Mal gar nichts und vermeide so jede Endtäuschung, wenn es mal wieder so gar nicht mein Humor ist. Bitte haben sie Verständnis dafür. Ich bin ein Kind der 70er und 80er Jahre. Da wurde ich so schwer traumatisiert. Die Ära hat uns zum Beispiel Rudi Carell und Ilja Richter geschenkt und wurde am Ende von Thomas Gottschalk und Mike Krüger zu Grabe getragen. Das schleppe ich eben heute noch mit mir herum.

Die Familie Rosinski ist gegen dieses Trauma eine wirklich wahnsinnig wirksame Therapie. Überhaupt überwunden dort einzuschalten, habe ich mich nur wegen Thalbach. Aber fragen sie mich jetzt nicht wegen welcher. Ich liebe sie gleich alle!

Ich weiß jetzt zu wenig über Genetik, um mich auf das dünne Eis zu begeben und das Talent dieser Dynastie allein damit zu begründen. Ich glaube, tatsächlich hat sie nur wenig damit zu tun. Schwerer wird wiegen, dass fünf Generationen der Familie allesamt buchstäblich in Theatern aufgewachsen sind. Katharina hat in Gregor Gysis sehr sehenswerter Talkshow anschaulich erzählt, wie sie sprichwörtlich in der Theatergarderobe gesäugt wurde… da muss sie das Milieu also buchstäblich „mit der Muttermilch“ aufgesogen haben. Ich glaube es ist safe anzunehmen dass es bei Tochter und Enkelin nicht viel anders war.

Nicht leugnen können die drei Frauen ihre Verwandtschaft. Das ist ja tatsächlich Genetik. Und deshalb ist es auch unendlich amüsant sie die Rosinskis spielen zu sehen. Die kennen sich so gut, diese Vertrautheit kann mensch an keiner Schauspielschule lernen. Da sitzt jeder Dialog, jede Geste, jeder Blick.

Jetzt ist das, trotz Katharina Thalbach und ihrer über-talentierten Familie, wie schon erwähnt, nicht gerade Brecht an der Volksbühne, oder „Die Blechtrommel“ sondern „Komödie“. Fernsehsozialkomödie zumal. Und dann auch noch aus dem Hause „Degeto“, der gefürchteten Contentfabrik der ARD. An der müsste ich eigentlich Wiedergutmachung leisten, nur für diesen großartigen Familienfilm. Mach ich aber nicht. Weil es eben ein vorzüglicher zwar, aber eben doch ein Ausreißer ist. Solche kleinen funkelnden Edelsteine beweisen ja nur, was tatsächlich geht, wenn es passt. Der furchtbare Durchschnitt wird so noch erkenntlicher. Und davor haben sie Angst. Und deshalb ist das deutsche Fernsehen, was es ist.

Machen wir auch „Wir sind die Rosinskis“ nicht größer, als das, was dieser Film ist… „nur“ hervorragende (leichte) Unterhaltung. Die dieser Autor gerne immer wieder sieht.

Da ist Snobismus wirklich nicht angebracht und da gibt es keine Wertung außer jeder des großen Schweizer Dramatikers:

Die Tragödie und die Komödie sind Formbegriffe, dramaturgische Verhaltensweisen, fingierte Figuren der Ästhetik, die Gleiches zu umschreiben vermögen. Nur die Bedingungen sind anders, unter denen sie entstehen, und diese Bedingungen liegen nur zum kleineren Teil in der Kunst.

(Friedrich Dürrenmatt, Kunst und Wirklichkeit, 1955)

Und weil der Film heute beim HR gelaufen ist und im Januar schon wieder beim RBB gezeigt wird, dürfen wir ihn auch in der Mediathek noch eine ganze Weile wiedersehen.



Komödie, Deutschland, 2016, FSK: 0, Regie: David Gruschka, Drehbuch: Johannes Rotter, Anika Soisson, Produktion: Jan Richard Schuster, Sven Sund, Musik: Beathoavenz, Jasmin Shakeri, Kamera: Jalaludin Trautmann, Schnitt: Christoph Strothjohann, David Gruschka, Mit: Anna Thalbach, Milan Peschel, Katharina Thalbach, Vincent Krüger, Nellie Thalbach, Emma Bading, Tilman Döbler, Daniel Krauss, Michael Schweighöfer, Patricio Wiedermann, David Bredin, André M. Hennicke, Roman Geike, Steffen Scheumann, Johannes Rotter, Kida Khodr Ramadan, Jasmin Bartels, Paul Boche, Nicolas Dinkel, Nora Huetz, Leopold Schill, Constanze Behrends, Charlotte Alten

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