Nicolas Cage – Ghost Rider (2007)

3.3
(4)
„Er war (nicht mehr ganz) jung und er brauchte das Geld.“ – Sei es, wie es war. Nicolas Cage hat sich meine lebenslängliche Loyalität durch großartige Filme erworben. Und selbst die weniger großartigen sind mein Guilty-Pleasure. „Ghost Rider“ ist davon einer der mir allerliebsten.

Hier wurde ein Video von Youtube, einer Plattform von Alphabet (Google) eingebunden. Der Inhalt wird nur geladen, wenn sie zuvor einer Übertragung ihrer persönlichen Daten (ua. ihrer IP-Adresse) an die Plattform zustimmen.

Klicken sie auf dieses Cover, um den Inhalt anzuzeigen.

Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von YouTube.

Er war einer der erfolgreichsten Schauspieler des letzten Jahrhunderts und, wenn sie mich fragen, einer der besten. Der erste Film, den ich von ihm gesehen habe, war „Birdy“ (1984), in dem er sich unter Alan Parker so tief in meine Erinnerung gespielt hat, dass ich in den drauf folgenden 20 Jahren keinen seiner Filme mehr verpassen wollte.

Und er durfte unter einer beeindruckenden Reihe der großen Regisseure seiner Zeit arbeiten. Coppola, Lynch, Schroeder, Coen, Bay, Scorsese. Und Mike Figgis. Denn bei aller Kunst, die er vorher bewiesen hat, in „Leaving Las Vegas“ (1995) von Figgis wurde er zu (m)einem Idol. Und wenn ich unter den über 100 Filmen, an denen Cage bis heute mitgewirkt hat, nur einen wählen dürfen, dann wäre es das Säuferdrama in der Wüste. Den Oscar hatte er nicht nur verdient. Er hat ihn sich mit einer Performance sprichwörtlich erlitten, die ich so bis dato noch von keinem anderen zeitgenössischen Kollegen vergleichbar gesehen hatte.

Machen wir es kurz. Was danach kam, war nicht immer schön aber oft erfolgreich. Für große Blockbuster wie „The Rock“ (1996), oder „Con Air“ (1997), war Cage zunächst weiter erste Wahl in Hollywood. Auch einige äußerst bemerkenswerte Filme sind ihm noch gelungen, wie „8mm – Acht Millimeter“ (1999), „Windtalkers“ (2002), „Lord of War – Händler des Todes“ (2005), „Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen“ (2009). Doch was danach kommen sollte, das war dann von einem anderen Planeten. Denn das meiste davon war wirklich mies.

Die dafür verantwortliche und sehr persönliche Tragödie des Herrn Cage können sie in bei einschlägigen Fachmedien nachlesen. Oder in der Wikipedia. Der Punkt, den sie behalten müssen: Cage war nicht nur pleite, sondern er hatte auch noch Steuerschulden. Und das ist in den USA ggf. ein Tatbestand, für den andere Kollegen auch schon Vollpension in einem Bundesgefängnis in Anspruch nehmen durften.

Er war also (nicht mehr ganz) jung und er brauchte dringend das Geld.

Eine bessere Entschuldigung gibt es nicht. Und konsequent war er auch dabei. Mit bis zu fünf Filmen in einem Jahr hat Cage über 20 Jahre lang einen Output generiert, der größer war, als das, was manches mittelgroße Filmstudio im Jahr produziert. Viele seiner Filme waren allerdings auch so schlecht, dass besagte Studios darauf verzichtet haben, sie überhaupt in die Kinos zu bringen (Direct-to-Video) – diese haben sie dann recht schnell in der DVD Grabbelkiste in ihrem Supermarkt gefunden.

Und nicht auf alles, was der Mann sich in dieser Phase zugemutet hat, muss er künstlerisch stolz sein. Doch er hat es geschafft, sich mit harter Arbeit aus seiner Zwangslage herauszuarbeiten. Das respektiere ich zutiefst. Des es ist ja auch eine Wahrheit: Kunst muss ein Mensch sich erst leisten können!

Mein tiefes Geheimnis ist, dass ich selbst die schlechtesten seiner Filme feiere. Selbst die schlechteste seiner Performances aus einem unterirdisch schlechten Drehbuch vermag es noch, mich zu unterhalten. Und manchmal kam sogar ein Geniestreich dabei heraus.

„Ghost Rider“ (2007).

Ganz ehrlich, Popcorn und leichte Drogen ihrer Wahl helfen enorm bei der Rezeption dieses Geniestreiches. Schon der aus einem Marvel-Comic entsprungene Charakter ist eine Indikation dafür, dass solches (oder wahlweise etwas anderes) den Genuss des Filmes durchaus fördern könnten.

Wenn sie wirklich alt sind, dann können sie sich noch an Evel Kneivel erinnern. Hier sehen sie die Geschichte seines (mutmaßlichen) Enkels. Oder, also, eigentlich sehen sie die Geschichte des jungen Robert Johnson, der nachts an einer Straßenkreuzung den Teufel trifft, um ihm seine Seele zu verkaufen, damit er zu einem Genie auf der Bluesgitarre werden kann. Nur, dass der Bluesman hier eben ein Stuntmotorradfahrer ist. Und der Teufel hier ist Peter Fonda. Der Mann, dessen Chopper fast genau 50 Jahre zuvor schon zu einer Ikone der Kinogeschichte wurde.

Wenn Sie sich in der Geschichte des Blues aber weniger zu Hause fühlen, sondern sich, so wie ich, mehr mit Goethes Faust in das Deutsch-Abitur gerettet haben, dann werden Sie eben den Heinrich, den Mephistopheles und das Gretchen wieder erkennen. Allerdings auf Steroiden, einem Soundtrack aus der Heavy-Metal-Hölle und einem Drehbuch… Ach, vergessen sie doch das Drehbuch!

Sie sehen hier eine Geschichte aus dem universellen Menschheitsgedächnis inszeniert wie ein 114 Minuten langer Videoclip. Auch schon wieder fast 20 Jahre alt. Also bald im Rang eines Klassikers. Wenn Sie das zur Rechtfertigung für sich selbst brauchen, um diesen Film zu sehen.

Eigentlich wünsche ich mir, dass alle 16-jährigen dieser Welt den Faust UND diesen Film besprechen und analysieren sollten. Erstens fällt dann vielleicht noch eine Portion „Cool“ für den alten Mann aus Frankfurt/Main dabei ab. Und zweitens bekommen sie ein lebensechtes Beispiel, wie eine mehr als zweihundert Jahre alte Geschichte noch immer dazu taugt, auch heute noch einfach eine großartige Zeit zu haben.

Für die Freund:innen des Dude noch der Hinweis, dass Sam Elliot hier den „Wagner“, genannt „The Caretaker“ spielen durfte. Eine kleine, aber wichtige Rolle… und… ach, diese Stimme (in Deutsch von Reiner Schöne)!

Guilty-Pleasure? Ach was! Ich sehe hier keine Schuld. Nur Vergnügen!



Phantasy-Thriller, USA, 2007, FSK: ab 12, Regie: Mark Steven Johnson, Drehbuch: Mark Steven Johnson, Produktion: Avi Arad, Michael De Luca, Musik: Christopher Young, Mit: Nicolas Cage, Matt Long, Eva Mendes, Raquel Alessi, Wes Bentley, Sam Elliott, Peter Fonda, Donal Logue, Daniel Frederiksen, Laurence Breuls, Mathew Wilkinson, Brett Cullen


Bewertung

Wie bewerten Sie diesen Film / diese Serie?

Dieser Film / diese Serie wurde 4x im Durchschnitt mit 3.3 bewertet.

Bisher keine Bewertungen.


4 Antworten

  1. Avatar

    @mediathekperlen In den Marvel Serien hervorragend wiederbelebt

    1. Mediathekperlen
      Mediathekperlen

      @Candason, ich habe davon gelesen. Gesehen habe ich die Serie leider noch nicht.

      1. Avatar

        @mediathekperlen Robbie Reyes kommt zunächst in Staffel 4 vor https://de.wikipedia.org/wiki/Marvel%E2%80%99s_Agents_of_S.H.I.E.L.D.#Staffel_4 viel Vergnügen beim gucken! ✌️

  2. Avatar

    @mediathekperlen Der ist so herrlich bescheuert 👍 – ich liebe wie er sich komplett nicht ernst nimmt in der Rolle.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert