Val Kilmer – „Val“ (2021)

Es ist wirklich ein Alleinstellungsmerkmal von ARTE, durch sein wenig schematisiertes Programm immer wieder auf aktuelle Vorgänge zeitnah reagieren zu können. So auch anlässlich des Todes von Val Kilmer am Dienstag, dem 01. April 2025. Mit diesem Film von Leo Scott und Ting Poo würdigt der Sender den einzigartigen Künstler.

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Kilmer war ja nur wenige Jahre älter als ich. Wenn ich ihn zu Beginn dieses Filmes zusammen mit Sean Penn und Kevin Bacon sehe, dann schaue ich also auch in meine eigene Vergangenheit. Penn war mir von ihnen vielleicht der liebste, doch gemocht habe ich sie alle drei, irgendwie. Als Künstler habe ich sie immer respektiert. Denn, rückschauend auf ihre Karrieren, haben sie nur wenig Kompromisse gemacht.

Genie und Wahnsinn sollen in der Kunst ja eng beieinander liegen. Kilmer war keiner, der sich wiederholt hat. Und er ist wohl auch keinem Streit aus dem Weg gegangen. Ein einfacher Zeitgenosse war er sicher nicht. Die Karriere, die in seinem Leben dabei herausgekommen ist, die hat er sich erarbeitet. Geschenkt bekam er nichts.

Über 40 Jahre lang hat der exzentrische Hollywood-Schauspieler Val Kilmer sein Leben filmisch dokumentiert – mit der Kamera in der Hand und durch die Blockbuster, an denen er mitgewirkt hat (Top Gun, The Doors). Daraus entstand das skurrile, schonungslose Porträt mit spannenden Einblicken in den Hollywood-Lifestyle, aber auch Kilmers schwere Stunden, seine Krebserkrankung.

ARTE Programmtext

Dokumentarfilme über Künstler:innen – und da macht es kaum einen Unterschied, ob diese noch am Leben sind – haben natürlich etwas von Ikonografie. Da gibt es schon bemerkenswerte Beispiele, doch es gibt auch eine Menge höchstdurchschnittlichen Schrott, der in Inhalt, Stil und Methodik fast beliebig austauschbar ist.

„Val“ (2021) von Leo Scott und Ting Poo ist definitiv von der besseren Sorte. Vielleicht ist es sogar ein Film, den Sie mehr als nur einmal sehen wollen. Denn im Grunde ist es ein Film von Kilmer selbst – über sein Leben. Mit Super-8-Filmbildern aus dem privaten Familienarchiv und der Erzählerstimme von Jack Kilmer, seinem Sohn.

„I’ve been spending decades finding my voice…“

Val Kilmer, Filmzitat

Seine eigene Stimme, die von Val Kilmer, hören wir nur in den alten Filmausschnitten. Denn wenn er in dem Film selber spricht, dann es ist nicht mehr seine eigene Stimme, sondern ein Plastikventil in seinem Hals, welches ihm nach einer Kehlkopf-OP noch ermöglicht, sich auch fast ohne Stimmbänder zu artikulieren.

Und wenn Kilmer mit eben dieser „Stimme“ spricht, dann gibt das dem, was er zu sagen hat, noch einmal eine Dimension, die diesen Film zu einem sehr persönlichen macht.

„Manchmal fühle ich mich so niedergeschlagen, und ich habe den Blues. Es ist wirklich hart, quer durchs Land fliegen zu müssen. Ich sehe nicht toll aus und verkaufe im Grunde mein altes Ich, meine frühere Karriere. Für viele ist das der Tiefpunkt. Über deine alten Filme zu reden, Autogrammkarten aus der Zeit zu verkaufen, als du der Batman warst oder der Terminator. Ich will andere nicht beleidigen, die das Gleiche machen. Aber es ermöglicht mir, meine Fans zu treffen. Und am Ende empfinde ich jedes Mal Dankbarkeit und nicht etwa Demütigung, weil so viele Menschen gekommen sind.“

Val Kilmer, Filmzitat

Ich habe dem Mann immer sehr gerne bei der Ausübung seiner Kunst zugesehen. Geliebt (wie in Halbblut“, 1992) habe ich ihn nicht immer („Top Gun“, 1986). Doch manchmal war er wirklich ein verdammtes Genie („The Doors“, 1991).

Ich werde ihn vermissen.

Dieser Dokumentarfilm ist vielleicht Kilmers bester Film. Weil er einzigartig ist und nur existiert, weil er selbst, vom Krebs gezeichnet, vor dem absehbaren Ende seines Lebens, seine eigene Geschichte noch mit seinen eigenen Worten erzählen wollte.

Ein Film von Val Kilmer, darüber, wie es sich angefühlt hat, Val Kilmer zu sein.

Dieser Beitrag erschien zuerst am 02.04.2025. Permalink: https://nexxtpress.de/b/cCp

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Die Meldung der AFP zum Tod von Val Kilmer (taz, 02.04.2025)



Dokumentarfilm, USA, 2021, FSK: ab 0, Regie: Leo Scott, Ting Poo, Buch: Val Kilmer, Produktion: Val Kilmer, Leo Scott, Ting Poo, Andrew Fried, Dane Lillegard, Jordan Wynn, Ali Alborzi, Brad Koepenick, Tom Stratton, Kamera: Val Kilmer, Tom Stratton, Leila El Hayani, Schnitt: Leo Scott Ting Poo, Musik: Garth Stevenson, Mit: Val Kilmer, Jack Kilmer, Fediverse: @filmeundserien@a.gup.pe


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