Virginie Efira, Adèle Exarchopoulos, Sandra Hüller – Sibyl (2019)

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Ein ziemlich genialer Frauenfilm. Ich glaube, das kann man(n) hier einmal feststellen, ohne dabei in den Verdacht zu geraten, dieses Werk in eine Schublade stecken zu wollen. Oscar-Preisträgerin Justine Triet hat hier großes Drama und elegante Groteske so miteinander versöhnt, dass es ein Privileg ist, Virginie Efira, Adèle Exarchopoulos und Sandra Hüller bei ihrer Arbeit zuschauen zu dürfen.

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Über Frau Triet haben wir gerade noch sehr viel lesen dürfen, vor allem, weil ihr Film „Anatomie eines Falls“ (2023) jüngst verdient mit dem Oscar für das beste Originaldrehbuch bedacht wurde. Bisher nur ein Mal in den Mediathekperlen vorgekommen ist Virginie Efira – was natürlich viel zu selten war. Adèle Exarchopoulos habe ich erst letzte Woche zu einer meiner Lieblingsschauspielerinnen erklärt und über die geniale Sandra Hüller können Sie hier nachlesen, was es bisher schon in den Blog geschafft hat.

Ich stehe dazu: Diese Damen haben jeden Hype verdient: Einschaltbefehl! (Wenn Sie mir die militärische Konnotation bitte ausnahmsweise nachsehen wollen?)

Denn so großartig jede einzelne dieser französischen, belgischen und deutschen Künstlerinnen alleine schon ist, sie gemeinsam zu sehen ist ein Ereignis! Und nur weil Justine Triet offensichtlich eine brillante Ensemble-Regisseurin ist, ergänzen sie sich in diesem Film derartig gut miteinander, dass ich mir im Grunde noch viele weitere Filme in dieser Konstellation wünsche.

„Sibyl“ zeigt eine Frau, die keine Angst vor großen Entscheidungen hat. Die sich zu ihren Lüsten und Begierden bekennt, nach eigenen Maßgaben Kinder kriegt und den Job wechselt. Und die dennoch im Chaos versinkt. Denn welche Konsequenzen eine Entscheidung Jahre später haben kann, das kann man nicht wissen, das kann man nur leben, und das tut der Film gemeinsam mit Sibyl.

Hannah Pilarczyk, Spiegel-Online, 20.07.2020

Ganz schön „Meta“ ist die Handlung ihres Werkes. Da frage ich mich doch, ob Triet und ihr Partner und Darsteller Arthur Harari als Autor:innen des Drehbuches möglicherweise etwa selbst erlebte Fragmente ihres Lebens und auch ihrer gemeinsamen Filmkarriere darin verarbeitet haben. Denn ausdenken muss sich das ja erst einmal jemand. Und zwischen Identitätssuche, Schriftstellerei, Schwangerschaft, Psychoanalyse und Filmgeschäft gibt es so viele Überschneidungen, da könnte es durchaus so gewesen sein.

„Einen Film zu machen, ist wie einen Traum zu gestalten.“

Mit der Wahl der Vulkaninsel Stromboli jedenfalls, haben die Autor:innen vermutlich subtil aber sehr bewusst den Schauplatz eines europäischen Klassikers des Weltkinos von 1949 zurück in unser schnelllebiges Bewusstsein geholt, der nicht nur für Roberto Rossellini und seine spätere Ehefrau – und meine ewige Filmgöttin – Ingrid Bergman lebensverändernd gewesen ist.

Ausgedacht und geschrieben ist das ganze ziemlich toll. Und anspruchsvoll, weil es, wie ein Traum, immer wieder auf verschiedene Abschnitte desselben linearen Zeitstrahls zurückgreift, und es so erst gegen Ende der Geschichte zu einer Auflösung kommt. Das braucht ein wenig Konzentration. Doch es ist tatsächlich eine sehr organische Entwicklung der Geschichte und keine aufgezwungene, weil künstlich hergestellte Spannung.

Die deutsche Kritik hat diesen Film geliebt, die angelsächsische nicht verstanden. Für mich ist er ein Beispiel für großartiges und sehr modernes, anspruchsvolles und doch leichtes europäisches Kino. Da freut mich auch jede (verdiente) Wiederholung im TV!



Drama, Frankreich, Belgien, 2019, FSK: ab 12; Regie: Justine Triet, Drehbuch: Justine Triet, Arthur Harari, Produktion: Philippe Martin, David Thion, Kamera: Simon Beaufils, Schnitt: Laurent Sénéchal, Mit: Virginie Efira, Adèle Exarchopoulos, Gaspard Ulliel, Sandra Hüller, Laure Calamy, Niels Schneider, Paul Hamy, Arthur Harari, Adrien Bellemare, Jeane Arra-Bellanger, Liv Harari, Lorenzo Lefèbvre, Aurélien Bellanger


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